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Zieglei

Kurz und bündig:
Zeittafel der Ziegelei

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Die frühere Ziegelei von Kirchhofen in der Lairenstraße
zusammengestellt von Herbert Röder und Charlotte Eckmann
Die Bilder sind Leihgaben von Paul Jung, Ulrich und Detlef Eck

Unter “Actum Kirchhofen, den 9. November 1854" ist im Grundbuch eingetragen, dass die Gemeinde Kirchhofen an Michael Stiefvater, Maurermeister, am 11. Februar 1854 folgende Liegenschaft verkauft hat: „Eine Behausung, Scheuer, Stallung, Ziegelhütte, samt Zubehör, gelegen an der Lairenstraße, neben Michael Köberle und Josef Mayer, Witwe".

Der Kaufpreis war 1350.- Gulden, zahlbar in 5 Raten, jeweils zu Martini.

Wie die Gemeinde Kirchhofen in den Besitz kam, war trotz intensiver Suche nicht feststellbar.

Am 22. Januar 1861 ist im Ehevertrag von Benjamin Stiefvater, Witwer, Ziegler, Bürger und Maurermeister in Kirchhofen und Malwina Steiger, ledig und volljährig, von hier, festgehalten, dass dieser von seinen Eltern, Michael Stiefvater und Katharina, geb. Michel, am 8. Mai 1857 folgende Liegenschaft erhalten hat: "Eine einstöckige Behausung, ferner Ziegelhütte und Platz nebst der dazugehörigen Lehmgrube". (Jetzt ist auch die zugehörige Lgb.Nr.4813 erwähnt).

Die Heirat war am 11. Mai 1857.

Am 20. April 1891 hat Benjamin Stiefvater seinen Betrieb seinem Sohn Anton übergeben. Dabei ist die Lgb.Nr.179 angegeben und die Haus Nr. 193. Anton Stiefvater hatte noch sechs Geschwister. Er starb 1916.

Aus dem Jahre 1912 besteht eine Befragung der Gewerbebetriebe u.a. bezüglich Anzahl der Beschäftigten und Verwendung von Triebwerken, Motoren und Elektrizität. Der damalige Betreiber, Anton Stiefvater, gibt an, dass er ab und zu, zu gewissen Zeiten, einen Arbeiter, männlich, beschäftigt und dass keine Elektrizität und keine Motoren verwendet werden.

In einem 2. Formular des gleichen Jahres ist die Adresse mit Lairenstraße 137 angegeben und es sind laut Angabe in Landwirtschaft und Ziegelei  2 Arbeiter, männlich, beschäftigt.

Anton Stiefvater, geb. 4.Juni 1859, heiratete Lina Ruh, diese lebte von 1867 bis 1950. Aus dieser Ehe stammten 3 Töchter.

Ziegelei Kirchhofen

Tochter Berta, 1895- 1974, nahm sich einen Mann vom Fach.

Friedrich Jung aus einer Ziegelei in Opfingen, oder vielleicht war es auch umgekehrt, Friedrich suchte sich eine funktionierende Ziegelei?

Aus der Verbindung von Berta und Friedrich stammten zwei Kinder:

Lisa, geb. 1928  und Paul geb. 1936.

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Lisa heiratete Otto Eck und baute zusammen mit ihrem Mann, neben der elterlichen Ziegelei ein Einfamilienhaus.

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Auf dem Bild die Söhne von Lisa Eck, geb. Jung vor ihrem Elternhaus

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Paul Jung und Lisa Eck mit ihrer Mutter Berta Jung und den beiden Kindern von Lisa Ulrich und Detlef.

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Lisa Eck geb. Jung
und ihr Mann Otto
sind inzwischen verstorben.

Lisa und Otto Eck

Aus der Zeit des Friedrich Jung gibt es heute noch Zeitzeugen, die dort gewohnt, geholfen oder gearbeitet haben.

1955 erfolgte die Gewerbeabmeldung für die Ziegelei in der Lairenstraße 165 durch Friedrich Jung, da es nicht mehr möglich war, mit der Ziegelei seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ziegelei Kirchhofen

Nach dem Krieg war zwar viel Bedarf an Baumaterial, aber durch die industrielle Fertigung von Hohlblock- und Bimssteinen und Beton-Dachpfannen kam es in unserem Raum zum Untergang der alten Ziegeleien.

 Nicht nur die Ziegelei in Kirchhofen, sondern auch welche in Uffhausen, Merzhausen und Lehen - alle mussten aufgeben!

Und die Natur fand eine weitere Nutzungsmöglichkeit, ein Storchenpaar konnte sich sein Nest bauen und jahrelang im Frühjahr von seiner Afrikareise nach Kirchhofen zurückkehren.

Ziegelei Kirchhofen

Bevor Friedrich und Berta Jung im Jahre 1974 starben, konnten sie zusammen noch die goldene Hochzeit feiern.

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Ihre  Grabstätte auf dem Friedhof  in Kirchhofen wird heute noch von ihrem Sohn Paul gepflegt, der inzwischen im Elsass lebt, aber regelmäßig in Kirchhofen anzutreffen ist.

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Geschichte der Ziegelherstellung:

Also wie ging nun die ganze Sache vor sich?

Der Chef der Ziegelei wurde der „Ziegler" genannt. Es waren zwei Brennöfen und ein ca. 20 m hoher Schornstein vorhanden.

In einer Lehmgrube beim heutigen Wasserreservoir in der oberen „Berggasse" wurde das Material für die Mauersteine mit dem Pferdefuhrwerk geholt.

Weiter oben im „Herrenwäldele" gab es feineren, dunkleren Ton, der hauptsächlich für Dachziegel verwendet wurde. Teilweise hat man mittels Sprengung sich die Arbeit des Abbaus erleichtert. Es kam auch einmal beim Abbau ein Arbeiter zu Tode, weil er unten mit Pickel das Material herausgeholt hat und dann der Überhang herabstürzte und ihn verschüttete.

Während des 2. Weltkrieges wurde mit Ochsen gefahren, da die Pferde eingezogen waren. Die damaligen Wege waren noch nicht geteert - auch die Lairenstraße nicht.

Der Lehm/Ton musste mit Wasser angefeuchtet werden. Das erforderte schon eine große Erfahrung, damit die richtige Konsistenz erreicht wurde. In der Ziegelei und Landwirtschaft war damals schon eine Wasserversorgung per Wasserleitung vorhanden.

Im Winter bei Eis und Schnee waren natürlich der Abbau, Transport und das anfeuchten nicht möglich.

Durch den gleichzeitigen Betrieb der Landwirtschaft, es waren auch drei Kühe und drei Schweine vorhanden stand natürlich während der Wachstumszeit immer die Entscheidung im Raum:

Ziegel machen, Gras holen oder Heu machen?

Das war wohl nicht immer leicht, weil das Ziegelbrennen einige Tage dauerte und auch das mähen und hereinbringen des Heus und Öhmds Zeit brauchte und sehr wetterabhängig war.

Ende 1927 wollte Herr Friedrich Jung den Brennofen erneuern auf einen              „ Kastellitz" scher Doppelofen" und hat einen entsprechenden Bauantrag eingereicht. Durch einen Brand am 26. April 1928 wurde der Großteil der Gebäude zerstört.

 Ca. 1928 wurde eine sogenannte Lokomobile angeschafft, also eine Dampfmaschine. Diese war anscheinend schon vor längerer Zeit vorgesehen, denn schon 1921 ist im Gebäudeversicherungsbuch ein „Lokomobilgebäude" genannt. Die Dampfmaschine trieb eine Spindelpresse und ein Förderband an. Ein Generator zur Stromerzeugung wurde nicht betrieben. Diese „Lok" war damals schon um 100 Jahre alt. Alle 2 Jahre kam der TÜV (Kesselinspektor) ins Haus. Der Dampfkessel musste ausgebaut und neu abgedichtet und gestrichen werden und wurde dann mit Wasser abgepresst. Die Lok leistete ca. 55 PS bei ca 10 atü und war eine 1 - Zylinder-Maschine vom Fabrikat „Assmann & Stockter".

Die Spindelpresse, Fabrikat „ Handle, Konstanz", drückte die Lehmwurst in Formen. Die geformten Rohlinge wurden auf das Förderband gelegt und im Trockenraum übereinander gestapelt. Die Trocknung war natürlich auch sehr stark wetterabhängig und durfte nicht zu schnell erfolgen, weil dann im Innern noch Feuchtigkeit vorhanden war, die beim Brennen Risse ergeben hätte. Nach einigen Tagen wurden die Rohlinge in den Ofen gesetzt und dieser angeheizt mit Holz und später Kohlengrus, der von oben in Löcher im Ofen durch den Ziegler eingeschüttet wurde. Der Brand dauerte 4—5 Tage.

In dieser Zeit war der Ziegler Tag und Nacht am Ofen und es konnte geschehen, dass er in der Vesperpause mit seinen Leuten, während er sein Brot zum Munde bringen wollte, eingeschlafen ist.

Der Kohlengrus wurde mit dem Pferdewagen vom Bahnhof in Krozingen geholt.

Nach etwa einer Woche konnte man den Ofen ausräumen - natürlich waren da die Steine noch sehr warm. So ein Brand erforderte zur Herstellung und Beschickung ungefähr 6 Personen. An einem Tag konnten 10 bis 12-tausend Mauersteine gefertigt werden, die dann im Ofen eingesetzt und gebrannt wurden. Das alles war eine sehr, sehr harte Arbeit. Die Arbeit wurde hauptsächlich mit „Taglöhnern" bewältigt, also Leuten, die ohne Festanstellung „auf Zuruf für einige Stunden oder Tage“ gearbeitet haben. Und das wahrscheinlich ohne Steuerkarte und Versicherung. Aber, es war wohl jeder froh, wenn er ein paar Mark verdienen konnte. Das ist nicht nur für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg so gültig gewesen, sondern auch für früher.

Fehlbrände und Bruch wurden in der Lehmgrube verfüllt. Die Lehmgrube beim heutigen Wasserreservoir wurde 1953 bei der Rebumlegung überplant und mit Reben bepflanzt.

Nach dem Brand von 1928 wurde wieder neu angefangen. Und auch später gab es nochmals zwei weitere Brände. Aber es wurden keine Ziegel gebrannt - nein, es brannten wieder die Gebäude.

Der Schornstein war lange Zeit „Wahrzeichen“. Auf uralten Ansichtskarten  ist er zu finden, ebenso wie auf Kalenderblättern mit dem Storchennest.

 Alte Kirchhofener werden sich daran erinnern.

Kirchhofen Luftaufnahme
Kirchhofen Luftaufnahme
Ziegelei Kirchhofen

Nach dem Abriss der Ziegelei, entstand an dieser Stelle ein Neubaugebiet mit Reihenhausbebauung und nichts erinnert mehr an die ehemalige Ziegelei! Schade!

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Das umgebaute Haus, in dem Lisa Eck, geb. Jung mit ihrem Mann Otto und den beiden Söhnen Ulrich und Detlef unterhalb der elterlichen Ziegelei lebte.

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Abschließend noch zwei Fotos aus den Jahren 1927 und 1929 mit interessanten Beschreibungen.
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