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Lazarus von Schwendi

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Lazarus von Schwendi

 

          * 1522 Mittelbiberach

                t  1583 Kirchhofen

 

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1522 wurde Lazarus von Schwendi als Kind des Rutland von Schwendi
und der Dienerin Apollonia Wenk in Mittelbiberach geboren.

Bereits 1525 starb sein Vater. Der Rat der benachbarten Freien Reichsstadt Memmingen war durch das Testament des Vaters zum Vormund des jungen Lazarus bestellt worden.
Dieser schickte den jungen Adligen zur Ausbildung an die Universit¦t Basel, wo er ab dem Wintersemester 1536/37 studierte. So erwarb Schwendi eine gründliche humanistische Bildung. Um 1538 ging er an die Universit¦t Stra￟burg, ebenfalls eine Hochburg der Reformation und des Humanismus, um dort Jura zu studieren. Von hier aus hatte er Reisen nach Frankreich unternommen und so Französisch gelernt, eine wichtige Voraussetzung für seine spätere Tätigkeit als Diplomat für Karl V.

Es stellte sich heraus, dass er sehr sprachbegabt war. Er lernte nicht nur Französisch sondern auch Latein und konnte Spanisch, Ungarisch und Niederländisch verstehen. Dies war in den habsburgischen Landen von Vorteil,
besonders in der Zeit seiner Dienste unter Philip II (Sohn Karl V.)

Der Kaiser erkannte 1546 beim Reichstag in Regensburg seine diplomatischen und seine sprachlichen Fähigkeiten und beauftragte ihn mit schwierigen Aufgaben.

In den reformatorischen Wirren jener Zeit bemühte er sich um Ausgleich und Toleranz, vor allem in Glaubensfragen.

Unter Kaiser Maximilian II. kämpfte er seit 1564 als Generalkapitän der deutschen Truppen in Ungarn gegen die Türken und wurde später kaiserlicher Feldhauptmann.

1565 besetzte er Gebiete in Ungarn unter anderem im Anbaugebiet der Tokajer-Rebe. Seine Siege und sein Organisationstalent und verschafften ihm hohes Ansehen. Berühmt wurde er als Türkenbezwinger durch die Eroberung der Festung Tokay.

Lazarus von Schwendi

1553 heiratete er Anna Böcklin von Böcklinsau. Als Tochter eines alten Adelsgeschlechtes schaute sie eher verächtlich auf den unehelichen geboren Lazarus. Schließlich verstieß er sie1561. Aus dieser Ehe ging Hans Wilhelm hervor.

1572 bemühte er sich „.. das nützliche schen guet Kirchhofen“ zu erwerben, das der Stadt Freiburg gehörte. Die Stadt Freiburg wollte die Besitzung schon zweimal verkaufen, dies war aber wegen des Kaufpreises nicht gelungen.

 

1573 heiratete er Gräfin Eleonora von Zimmern und verbrachte eine restlichen Jahre glücklich mit ihr.

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Erst 1577 kann im Ratsprotokoll der Stadt Freiburg nachgelesen werden, dass Lazarus von Schwendi die Kaufsumme aufbrachte und somit Herr über Schloss und Herrschaft Kirchhofen wurde.

Die Bevölkerung war glücklich mit ihrem neuen Schlossherrn, denn das Wohl seiner Untertanen war ihm wichtig.

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Er führte „schwendische Ordnungen“ ein, förderte den Weinbau, verbot aber den Anbau von Reben auf den besten ebenen Ackerböden, damit dort weiterhin Getreide für das tägliche Brot angepflanzt würde.
Außerdem sorgte er für den Absatz landwirtschaftlicher Produkte, dadurch dass er den 1418 eingeführten Laurentiusmarkt in Ehrenstetten wieder belebte.
Er bekämpfte den Geldwucher: Für 20 Gulden durfte höchstens 1 Gulden Zins verlangt werden.
Im Stiftungsbrief des Spitals 1578 ordnete er die Einnahmen, stiftete selbst 1000 Gulden als Grundstock und bestimmte, dass aus dieser Stiftung ein Lehrer zu bezahlen sei.
Damit war er auch der Begründer der Kirchhofener Schule.

Mit den Jahren litt er immer häufiger an Gichtanfällen und hielt sich deswegen immer öfter in Kirchhofen auf, denn das milde Klima tat ihm gut.
Am 27. Mai 1583 starb er im Schloss zu Kirchhofen.

Seinem Wunsch entsprechend wurde er aber in der Kirche in Kientzheim / Elsass begraben. Denn Kientzheim gehörte auch zu seinen Besitztümern.

Lazarus Schwendi war Humanist und infolge seiner humanistischen Bildung zeichnete ihn eine soziale Haltung aus. Dadurch war er intellektuell seiner Zeit voraus.

Neueste Forschungen weisen ihn sowohl als Repräsentanten des deutschen Späthumanismus mit vielschichtigen und weitreichenden Kontakten aus, als auch einen Förderer von Kunst und Wissenschaft.

Heute noch mobilisiert der Name Lazarus von Schwendi viele Menschen. Seine damals wie heute nicht selbstverständliche, politische, soziale und wirtschaftliche Handlungsweise hinterließ segensreiche Spuren bis in die jüngste Vergangenheit.

„Das Wirken Schwendis im Dienst von Kaiser Karl V. als "kaiserlicher und des Reiches oberster Kriegskommisär", Ritter und Hofrath, spielte sich inmitten einer Zeit der Unruhen und  Kriege ab. Er erwarb sich Ansehen in Feldzügen und als Ratgeber von Kaiser Karl V., dem er ergeben war. Schwendi beteiligte sich nach seiner Ausbildung als Kommisär von Kaiser Karl V. zunächst an Verhandlungen mit den Landständen vergeblich, dann am Krieg gegen den Schmalkaldischen Bund siegreich. Erst der Augsburger Religionsfriede von 1555 brachte für evangelische Landesherren Gleichberechtigung, gab aber weiterhin Anlass zu Streitigkeiten wegen der Benachteiligung von Landesherren beim Übertritt  zum neuen Bekenntnis, da diese dadurch ihr Territorium verloren.

Schwendi diente von etwa 1555 an beim Sohn von Karl V., Phillip II. König von Spanien.

Im Jahr 1564 wurde Schwendi in das österreichische Heer aufgenommen als oberster Feldhauptmann und Rath bei Kaiser Maximilian II. und beteiligte sich siegreich im Krieg in Ungarn gegen die Türken und Tartaren.

Einerseits ist für Schwendis Biographie charakteristisch, dass er mit diesen epochalen kriegerischen Auseinandersetzungen schicksalhaft verbunden war, und andererseits, dass sich in dessen Wirken seine humanistische Bildung an den Universitäten Basel und Straßburg spiegelt, denn beide Universitäten standen unter dem bedeutenden Einfluss von  Humanismus und Reformation.

Seine Verdienste brachten ihm ein großes Vermögen. und weitere Titel ein als "Freiherr zu Hohenlandsberg", "Herr zu Kirchhofen" und "Pfandherr zu Burkheim, Triberg und Kaisersberg". 1

 1 Braun, Erika Maria, Pfaffenweiler, 2012.

Quellen:
Pfefferle, Engelbert: Aus dem Leben und.Wiken des Lazarus von Schwendi. In: Zum 400.Todestag des Lazarus von Schwendi und zum 350.Jahrestag des Todes der 300 Bauern von Kirchhofen, Ehrenstetten und Pfaffenweiler. Hrsg. Gemeinde Ehrenkirchen, 1983, S.11-25.
Ott, Hugo: Bemerkungen zum Erwerb der Herrschaft Kirchhofen durch Lazarus von Schwendi und zum religiös-konfessionellen Verhalten des Lazarus von Schwendi. In: Zum 400.Todestag des Lazarus von Schwendi und zum 350.Jahrestag des Todes der 300 Bauern von Kirchhofen, Ehrenstetten und Pfaffenweiler. Hrsg. Gemeinde Ehrenkirchen, 1983, S.27-40.
Hepperle, Ingrid: Lazarus von Schwendi: Wie ein Schwabe am Oberrhein sein Glück machte. Ulm/Donau: Hess 1997

http://de.wikipedia.org/wiki/Lazarus_von_Schwendi
http://www.stamm-lvs-staufen.de/lazarus.htm
 

Braun, Erika M. und Eckmann, Charlotte, Arbeitskreis Ortsgeschichte, Ehrenkirchen, August 2012.

 

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