60 Jahre Ölbergkapelle

Mahnmal und Wahrzeichen

Vor 60 Jahren wurde die Ölbergkapelle eingeweiht

Von Anne Freyer

Ölbergkapelle 1962

EHRENKIRCHEN. Das Datum für die Eröffnung der Ausstellung zum Thema "Ölbergkapelle" passte perfekt, denn vor genau 60 Jahren, am 7. November 1954, wurde sie eingeweiht als Denk- und Mahnmal für die in den Weltkriegen gefallenen oder vermissten Kameraden. Mittlerweile ist sie so etwas wie ein Wahrzeichen für die Gemeinde Ehrenkirchen geworden. Viele, die zur Feier dieses Jubiläums ins Georgsheim gekommen waren, erkannten sich in dem Film wieder, in dem die Einweihung festgehalten war.

Ein endloser Zug bewegte sich damals im November 1954 vom Dorf hinauf zur Ölbergkapelle, um gemeinsam die feierliche Einweihung zu begehen. Moderne Wiedergabetechnik machte es möglich, dass die Zuschauer von heute ganz entspannt und immer wieder, wenn sie eine Sequenz verpasst hatten, ihre Erinnerungen auffrischen konnten. Teils gerührt, teils amüsiert erkannte sich so mancher auf dem Bildschirm wieder, etwa Norbert Legelli, wie er als Ministrant im zarten Alter von zehn Jahren gleich neben dem Pfarrer der Kapelle zustrebte.

Wiedersehen gab es für ihn und damalige Mitschüler auch mit Fräulein Roth, seiner damaligen Lehrerin, hochgewachsen und mit Hut wie alle Damen, die im vorderen Teil des Zuges mitschritten. Und selbstverständlich hatten sich auch die Herren für diesen Anlass in Schale geworfen – Anzug war Pflicht, allerdings auch robustes Schuhwerk, denn der Weg hinauf von Ehrenstetten war noch nicht asphaltiert, sondern ein Feldweg mit Unebenheiten und staubig.

Unter den Teilnehmern an der Einweihungsfeier vor 60 Jahren war auch Albert Mayer, der sich später über Jahrzehnte um die Pflege der Anlage verdient gemacht hat. Ihm widmete Charlotte Eckmann vom Arbeitskreis Ortsgeschichte in ihrer Begrüßung eine Gedenkminute, denn er war wenige Tage vor der Ausstellungseröffnung gestorben und zu Grabe getragen worden. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1987 hatte er sich um die Pflege der Kapelle und ihrer Umgebung gekümmert, woran sich alle dankbar erinnerten.

im Raum Mannheim und Schwetzingen, gab seine Verbundenheit mit seiner Heimat an seine Nachkommen weiter, und das nun schon in der vierten Generation. Niemals, so Enkel Hermann Rolf Schäuble, viel unterwegs in der Welt und erfolgreicher Geschäftsmann, fahre er durch das Rheintal, ohne an der Ölbergkapelle Halt zu machen und eine besinnliche Ruhepause einzulegen. Inzwischen sind auch seine Söhne immer wieder gern in Ehrenstetten.

Dass dem Ortsverein die Arbeit nicht ausgeht, bewies eine Fotoserie, aufgenommen von Josef Glatz. Sie zeigt ihn und wechselnde Mitstreiter, wie sie den Rebberg in den vergangenen drei Wintern von Gestrüpp befreiten, nachdem viele Rebstücke verlassen und verwahrlost waren. Dazu gehört auch der kräftezehrende Wiederaufbau der Stützmauern und Steigen, der schon weit fortgeschritten, aber noch lange nicht vollendet ist. "Das kostet nicht nur viel Zeit und Kraft, sondern auch Geld", so Josef Glatz. Man sei aber entschlossen, damit weiterzumachen. Als nächstes Projekt haben sich die Hobbysanierer den Wiederaufbau eines Rebhäuschens vorgenommen, dessen Grundmauern noch vorhanden sind, alles mit dem Ziel, den Ölberg als Kulturlandschaft für kommende Generationen in seiner ursprünglichen Schönheit zu erhalten.

Zu den Gästen, die so zahlreich der Einladung des Arbeitskreises Dorfgeschichte ins Georgsheim gefolgt waren, gehörte auch Hermann Rolf Schäuble, Enkel des Mannes, der durch seinen großzügigen finanziellen Beitrag den Bau der Kapelle erst möglich gemacht hatte. Der gebürtige Ehrenstettener, Sohn des Rebstockwirts Matthäus Schäuble und später Chef großer Firmen

Dieses Bild von der Ölbergkapelle in Ehrenstetten entstand am 1. Mai 1962, wenige Jahre nach der Einweihung.
Foto: Kreisarchiv, Willy Pragher

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Betrachten die Ausstellung: Hermann Rolf Schäuble, Charlotte Eckmann und Josef Glatz (von links).
Foto: Anne Freyer

Dieser Artikel erschien am 13. November 2014 in der Badischen Zeitung (Seite 34 - Hexental/Batzenberg).
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