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Vereinigte Zünfte

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Der folgende Bericht von Charlotte Eckmann über die Vereinigten Zünfte gibt den Kenntnisstand von 2014 wieder. Inzwischen haben AK-Mitglieder an dem Projekt weiter gearbeitet. Nach Abschluss werden wir den Artikel auf den aktuellen Stand bringen. Bitte noch etwas Geduld.

Vereinigte Zünfte

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts waren die Handwerker vor allem in Städten regelmäßig in Zünften organisiert.

Bei der Zunft handelte es sich um eine Zwangsgemeinschaft von Meistern, Gesellen und Lehrlingen eines oder auch mehrerer Handwerke, die wirtschaftliche Zielsetzungen mit sozialen und kultisch-religiösen Funktionen in sich vereinigte.

Den Meistern gehörten die Werkzeuge, sie hatten die finanziellen Mittel, um das für die Arbeit erforderliche Material zu kaufen. Meistens arbeiteten nur drei bis vier Gesellen oder Lehrlinge in den Handwerksbetrieben. Es waren Familienunternehmen, die Gesellen und die Lehrlinge wohnten im Haus des Meisters.

Zünfte  sind also eine  berufliche Vereinigung von  Handwerkern zur gegenseitigen Hilfe, zur Regelung der Ausbildung und der Arbeitszeit.

Kultisch-religiöse Elemente des Zunftlebens äußerten sich in der gemeinsamen Teilnahme an Gottesdiensten, Prozessionen und Begräbnissen von Zunftmitgliedern, der Pflicht zur Lichterstiftung sowie auch in der rituellen Pflege eines althergebrachten Arbeitsbrauchtums.

In Kirchhofen gibt es Zunftladen, die im Gasthaus Krone aufbewahrt wurden:

      Lade der Leinenweber                                                          Gründung der Zunft 1665
      Lade der Küfer                                                                       Gründung der Zunft 1717
      Lade der Schumacher, Sattler, Gerber                               Gründung der Zunft 1721
      Lade der Bauzunft (Maurer, Zimmerleute, Schreiner,
      Schlosser und Steinhauer)                                                    Gründung der Zunft 1738
      Lade der Schneider                                                               Gründung der Zunft 1765
      Ohne Zunftlade, die Müller und Bäcker                                 Gründung der Zunft 1798

Nicht nur für uns in Kirchhofen gilt, dass sich die Berufsbilder ständig verändern und neue Berufsbilder entstehen. So gibt es eine Reihe von Berufen, die neu entstanden sind und wir heute unter den Mitgliedern der Vereingten Zünfte auch Berufe finden, die es früher in der Zunft nicht gab z. B. Schornsteinfeger, Elektriker, Landwirtschaftsmeister, Gärtner usw.

Über Rechte und Pflichten der Zunft wurde bereits 1717 von den 13 Küfern eine Ordnung erlassen, die u.a. bestimmt, dass ein jährlicher Erfahrungsaustausch stattfinden soll und zwar erstmalig anno 1752 im Gasthaus Krone und das am Josefstag (19. März).

 Es ist bis heute Brauch geblieben, dass am 19. März, dem Gedenktag des Hl. Josef, Gottesdienst gefeiert wird und die Kirche mit allen Fahnen und Stangen geschmückt ist.

Anschließend wurde im Gasthaus Krone die Zunftversammlung abgehalten und das seit 1752 bis heute.

Außerdem  hat sich folgendes Brauchtum erhalten: die Mitglieder der Vereinigten Zünfte nehmen an kirchlichen Festtagen wie Fronleichnam und dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt, am 15. August mit ihren Fahnen und Stangen an der Prozession teil.

      Leinenweber
      Küfer und Metzger
      Schuhmacher und Sattler
      Bauzunft
      Schneider, Frisör
      Müller, Bäcker und Wagnerinnung Ehrenstetten-Kirchhofen


      St. Severinus
      Hl. Urban
      Hl. Crispinius
      St. Josef
      Hl. Homobonus
      “Gott segne die christliche Arbeit”
      kein spezieller Heiliger auf der Fahne
       

      1834 / 1956
      1734 / 1952
      1834 / 1954
      1833 / 1934
      1834 / 1954
      1901
       

 

 

 


 

Zu jeder Fahne gehören zwei Zunftstangen

Mit der Entstehung der Zünfte entstanden die Zunftstangen, die als Demonstration des sich entwickelnden Selbstbewusstsein der Handwerker bei Prozessionen öffentlich gezeigt wurden.  Als Zunftstangen werden Prozessionsstangen bezeichnet, die mit einem Zunftzeichen gekennzeichnet sind z. B.: Brezel, Hammer, Hobel, Schere, Trauben…

Ebenso werden an Begräbnissen von Zunftmitgliedern die Fahnen und Stangen aus dem Schrank geholt.

2hc_102
2hc_103
2hc_104

Aus einem Brief des großherzoglichen Bezirksamt Staufen das Zunftwesen betreffend, finden wir 1852 folgendes:

1. Umfang der Zunftbezirke

Zum Zunftbezirk Kirchhofen gehören die Orte Kirchhofen, Ehrenstetten, Norsingen, Offnadingen, Pfaffenweiler

2. Einteilung der Zünfte und Gewerbe

Der Zunftbezirk Kirchhofen umfasst folgende Gewerbe

  • Die Küfer
  • Die Schneider
  • Die Müller und Bäcker
  • Die Schuster
  • Die Weber
  • Die Bauzunft wozu die Maurer, Zimmerleute, Schreiner, Schlosser und Steinhauer gehören
     

Aufgaben der Zunft:

  • sie regelte den Zugang zum Handwerk und die Ausbildung vom Lehrling bis zum Meister
  • sie reglementierte auch Produktion und Absatz
  • sie griff beschränkend in den Wettbewerb ein
  • sie beaufsichtigte die einzelnen Betriebe
  • sie prüfte die gewerblichen Erzeugnisse
  • sie übte in allen Zunftangelegenheiten eine eigene Gerichtsbarkeit über ihre Mitglieder aus.
     

Die Leitung der Zunft lag in den Händen der Zunftmeister.
In den Zunftversammlungen  beschlossen die Mitglieder über die verschieden Zunftangelegenheiten.

Die Einträge in den Zunftbüchern enden alle um die Jahrhundertwende 1890- 1910; denn die Aufgaben wurden von den Handwerkskammern übernommen.

Deren Gründung in Deutschland auf das Handwerkergesetz von 1897 zurückzuführen sind. Das Reichsgesetz schuf die Voraussetzung für die Bildung der Kammern. In Freiburg entstand die Handwerkskammer 1901.

 

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